Privater Blogpost Nr. 17 – Habe ich ein Problem, weil ich kein Alkohol trinke?

Dieser Beitrag ist vielleicht der persönlichste Beitrag, den ich bis jetzt geschrieben habe. Er ist für all diejenigen, die sich im Leben schon das ein oder andere Mal ausgegrenzt gefühlt haben, weil sie nicht wie alle Anderen saufen wollten.

Für alle, die sich deshalb schon oft gefragt haben, ob mit ihnen etwas nicht stimmt und für alle, die schon mal versucht haben etwas in ihrem Leben zu verändern, aber von ihrem Freundeskreis zurückgehalten wurden.

Denk immer daran: Es gibt viele wie dich. Und wenn du das tust, was du wirklich willst, wirst du mit der Zeit auch die richtigen Menschen anziehen.

Viel Spaß mit meinem Beitrag.

Inhaltsverzeichnis

  1. Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt
  2. Ein prägendes Erlebnis in meiner Vergangenheit
  3. Warum du als Nicht-Trinker zur Spaßbremse wirst
  4. Mein Kollege war ganz bei mir
©Helena Lopes

Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt

„Also hast du eigentlich ein Problem damit, dass du nicht eingeladen wirst“

Das waren die Worte eines Freundes, am Ende einer hitzigen Diskussion über ein Thema, dass mich schon seit vielen Jahren begleitet.

Es ging darum ob es okay ist einen Freund nicht einzuladen, weil er nicht mittrinkt. Das gleiche gilt auch für Menschen, die versuchen ihre Ernährung umzustellen. Menschen, die versuchen mehr Sport zu treiben. Für jede Art von Mensch, der versucht etwas anders zu machen, als es die Mehrheit seines Umfeldes tut.

Das gilt leider nicht nur für irgendwelche Bekannten in der Schule, im Studium oder im Job. Leider kommt genau dieses Verhalten genauso in vielen Freundeskreisen vor. Allzu oft läuft es so ab: Wenn du nicht genau das machst, was der Rest deiner Freunde macht, dann wirst du auch nicht mehr gefragt ob du mitmachen willst.

Die Frage meines Freundes lies mich einfach nicht los.

Habe ich nur ein Problem damit nicht eingeladen zu werden?

©Ismail Hamzah

Gegenfrage: Oder haben die Menschen vielleicht ein Problem damit, wenn jemand etwas tut, das sie gerne tun würden, aber einfach nicht schaffen?

Dazu später mehr. Ich will jetzt nicht von der Frage meines Freundes ablenken.

Habe ich ein Problem damit nicht eingeladen zu werden?

Diese Frage habe ich mir bisher nie gestellt. Aber wenn ich so darüber nachdenke, muss ich sagen: Ja, das habe ich.

Es ist mir schon lange bewusst, dass ich meine Freunde nicht nach meinen persönlichen Interessen auswähle, sondern weil ich jeden einzelnen von ihnen als Persönlichkeit schätze. Und das hat nichts damit zu tun, dass sie die selben Hobbys pflegen wie ich. Einer meiner Besten und längsten Freunde hat so einen komplett anderen Lebensstil als ich und trotzdem schätzen wir uns gegenseitig voll und ganz.

©Helena Lopes

Ein prägendes Erlebnis in meiner Vergangenheit

Ich erinnerte mich an ein prägendes Erlebnis meiner Jugend, als ich von der Clique, mit der ich meine gesamte Kindheit verbracht hatte, ausgestoßen wurde, weil ich nicht mit ihnen kiffen und saufen wollte.

Was mir damals nicht bewusst war, wurde mir viele Jahre später ganz genau klar. Ich wollte und will mich nicht für Menschen verbiegen, um dazu zu gehören, um in eine Gruppe hineinzupassen.

Ein paar wenige Male, habe ich es auch probiert. Doch ich merkte schnell, dass es nicht richtig war. Denn ich fühlte mich dabei einfach nicht echt. Ich fühlte mich nicht authentisch. Und wenn es eines gibt, was ich nicht sein will, dann das. Immer wenn es zu diesen Momenten kam verachtete ich mich insgeheim selbst.

Ich dachte lange Zeit, wenn die Menschen älter werden, hören sie auf andere auszustoßen, weil sie nicht saufen. Doch das ist nicht so. Meiner Erfahrung nach wird es sogar noch schlimmer. Die Menschen merken schnell, wenn du anders bist. Wenn du nicht das Gleiche isst, das Gleiche sagst oder machst, dann bist du raus. Aber muss das sein?

Ich weiß der Mensch ist ein soziales Wesen. Er liebt und braucht die Gesellschaft. Und er will vor allem eins: Dazu gehören. Und die Menschen einer Gemeinschaft wollen vor allem eins: Gleichgesinnte.

©Priscilla du Preez

Genau hierhin führte auch die Diskussion mit meinem Kollegen. Er sagte, dass es doch ganz normal ist, wenn man mit einer Gruppe von Freunden gemeinsam etwas trinken will, dann würde er einen Freund, der nicht mittrinkt auch nicht fragen, ob er mitkommen wolle. Auch wenn er genau weiß, dass dieser Freund einfach gerne rausgeht.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs kamen wir dann darauf, dass diese Person, die nicht mittrinkt den Spaß der Gruppe herunterzieht.

Wie oft habe ich die Situation erlebt (wenn auch meist mit einem Augenzwinkern versehen), dass Leute sagen „Mit Wasser stoße ich nicht an.“ Gleichzeitig habe ich nur allzu oft erlebt, wie schnell man Teil einer wildfremden Gruppe werden kann nur, weil man ein paar Gläser Alkohol mit ihnen trinkt. Ist es nicht verrückt, dass dieses Getränk so viel Macht hat, deinen sozialen Status zu heben oder zu senken?

Ich glaube wirklich, dass viele Menschen diesen sozialen Druck bewusst oder unbewusst spüren und obwohl sie gar nicht so oft oder so viel trinken wollen, doch immer wieder dazu tendieren, weil sie ihren sozialen Status, ihre Zugehörigkeit nicht verlieren wollen.

Warum du als Nicht-Trinker zur Spaßbremse wirst

In dem Moment, in denen eine Person mit in der Gruppe ist, die Stark genug ist Nein zu sagen, wird es deinen Mitmenschen bewusst:

„Morgen werde ich bestimmt einen Kater haben, den ganzen Tag im Bett liegen und wieder nichts schaffen, was ich mir eigentlich vorgenommen habe“

„Eigentlich habe ich mir doch schon so oft geschworen, dass ich nie wieder Alkohol trinke“

„Eigentlich wollte ich schon vor 2 Drinks aufhören, damit ich morgen keinen Kater habe“

Was passiert also gerade? Du zeigst den Menschen um dich herum, dass es möglich ist nein zu sagen, aber sie einfach zu schwach dafür sind. Du rufst es ihnen für einen kurzen Augenblick ins Bewusstsein und das gibt ihnen ein schlechtes Gefühl. Dieses schlechte Gefühl bringen sie jetzt bewusst oder unbewusst mit dir in Verbindung und die logische SchlussfolgerungDU bist die Spaßbremse.

©Mario Purisic

Mein Kollege war ganz bei mir und er fügte noch etwas hinzu:

Während seines Studiums passierte es oft, dass seine Kommilitonen abends nach der Uni noch einen trinken gingen. Er selbst wollte aber nicht sein Training vernachlässigen und lehnte deswegen ein paar Mal die Einladungen ab. Er merkte schnell, dass er immer weniger Teil der Gruppe war. Und fragte sich irgendwann ob mit ihm etwas nicht stimmt.

Also beschloss er irgendwann doch einfach mal mitzugehen und mit ihnen zu trinken. Es dauerte nicht lange und er fühlte sich wieder wie ein fester Bestandteil der Gruppe. Alle fragten ihn warum er denn nicht öfter mitkomme, weil es doch so viel Spaß mit ihm machen würde und da wurde es ihm klar.

Die Zweifel darüber ob etwas mit ihm nicht stimmt verschwanden. Denn er wusste jetzt, dass er ganz schnell wieder Teil der Gruppe werden kann. Er allein hat die Kontrolle darüber. Er muss sich nur dazu entschließen mitzumachen.

Dieser Beitrag ist für alle, die eine ähnliche Situation kennengelernt haben. Da mir dieses Thema wirklich ernst ist, würde ich mich freuen, wenn du diesen Beitrag teilst, damit viele andere, wie du und ich sehen, dass sie nicht alleine sind.

Wenn du auch eine Geschichte zu erzählen hast, dann schreibe mir gerne mal bei facebook, Instagram oder einfach per Mail an info@fitnessagony.de Ich freue mich darauf, mich mit dir auszutauschen und diesen Beitrag noch mit jeder Menge ähnlicher Geschichten zu erweitern.

Dein Zimo Tam.

6 Comments

  1. […] Beitrag Privater Blogpost Nr. 17 – Habe ich ein Problem, weil ich kein Alkohol trinke? erschien zuerst auf Fitness Agony by Zimo […]

  2. Hey Zimo,
    ich kenne das nur zu gut. Ich selbst habe vor über 5 Jahren mit dem Alkohol trinken aufgehört. Ich bin jetzt kein strikter Anti-Alkoholiker und trinke zu besonderen Anlässen auch einmal ein Glas mit.
    Tatsächlich war es krass, wie sich dadurch mein Umfeld verändert hat. Tatsächlich ging das aber auch nicht nur in die eine, sondern auch die andere Richtung. Du bist die fünf Menschen, mit denen Du die meiste Zeit verbringst. Wenn Du Dich veränderst, dann verändern sich auch die Menschen in Deinem Umfeld oder es ändern sich eben die Menschen in Deinem Umfeld.
    Trotzdem ist es wirklich bedenklich, dass es in unserer Gesellschaft eher anerkannt ist, sich regelmäßig zu betrinken, als das gar nicht zu tun.
    Viele Grüße
    Jahn

    • Zimo sagt:

      Hi Jahn, die Erfahrung ist wirklich krass.
      Man merkt dann auch, wie oberflächlich manche Freundschaften einfach aufgebaut sind.
      Diese Theorie kenne ich auch und halte ich für sehr wahr.
      Vielleicht bringt dieser Beitrag ja den oder anderen Alkohol-Liebhaber dazu auch dem Nicht-Trinker mit seinem Glas Wasser zuzuprosten. 😉

  3. Sehr interessantes Thema, danke für diesen Artikel!

    Wenn man sich – so wie ich – den Freundeskreis mit dem Ehepartner teilt, passiert es eher selten, dass man deswegen ausgegrenzt wird. Aber man muss sich dann immer Fragen zum Thema gefallen lassen, die ich dann gern mit einer anstehenden Blutuntersuchung erkläre. Das klingt vielleicht doof, erspart mir aber lange Diskussionen zu einem Thema, dass ich mit dem jeweiligen Gegenüber vielleicht gar nicht weiter ausarbeiten will.

    • Zimo sagt:

      “Ich muss noch fahren” wirkt auch immer ganz gut.
      Trotzdem schade, dass man sich häufig “rechtfertigen” muss, aber vielleicht schaffen wir es ja das ein bisschen zu ändern.

      Besten Gruß
      Zimo

  4. Andrea sagt:

    Wow Zimo das ist so ein toller Beitrag. Ich kenne das aus meiner Wettkampfvorbereitungszeit wo ich strikte Diät gehalten hab und keinen Alkohol getrunken habe. Es ist da nicht immer einfach, sein Ding durchzuziehen und auf die Reaktion der anderen zu pfeifen. Aber mit der Zeit lernt man, wie du sagst, auf sich zu hören und das was man selbst will. Egal was andere denken. Mittlerweile mache ich das womit ich mich gut fühle und ziehe automatisch die Menschen an, die genau so ticken wie ich 😊

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.